Conditio sine qua non: Ethik in der Public Relations

Wie bereits im Interview mit dem Wirtschaftsethik-Experten René Leibold erwähnt, gibt es immer wieder ethische Verfehlungen von Unternehmen. Anhand zahlreicher aktueller Fälle wird deutlich, welche große Dimension ethisch einwandfreies Handeln heutzutage hat.  Doch inwiefern steht die PR in der Pflicht?

Der bekanntlich erste schriftlich formulierte Berufseid, welcher von Hippokrates (ca. 460 bis 370 v. Chr.) verfasst wurde und sich an Ärzte richtet, ist seit jeher weiterhin bekannt und dient noch heute als Orientierung für die täglichen Bemühungen und Aufgaben der Mediziner. Doch wie sieht es für Medienschaffende und PR aus? Vor allem in Zeiten eines zunehmenden Kreuzfeuers der Medien ist es wichtig, die Werte hochzuhalten. Denn von einer ethisch einwandfreien und umweltbewussten Einstellung profitiert letzten Endes die gesamte Gesellschaft. Es existieren bereits zahlreiche Kodizes, die noch immer eine unzureichende Tragweite in der Branche haben. Zu einen der wichtigsten Verhaltensvorschriften gehört der Deutsche Kommunikationskodex. Dieser wurde von den Initiatoren Professor Günter Bentele, Lehrstuhl Öffentlichkeitsarbeit/ Public Relations an der Universität Leipzig, Prof. Dr. Alexander Güttler (Präsident der GPRA) und Heiko Kretschmer (Vizepräsident der GPRA) am 13. Dezember 2012 in Berlin beschlossen.  Neben zentralen Werten wie Transparenz, Integrität, Fairness und Wahrhaftigkeit, stellt dieser zusätzliche Eigenschaften wie Loyalität und Professionalität in den Vordergrund.

Kodizes schaffen Orientierung 

Gerade in Zeiten in denen zunehmende Skepsis gegenüber Medien und Politik vorherrscht, muss Ethik ein fester Bestandteil der Realität der PR-Schaffenden sein. Der bereits im Jahre 2013 veröffentlichte Global Trust Report von GfK zeigt, dass Großunternehmen und internationale Konzerne bei nur noch 26 Prozent der befragten Teilnehmer als vertrauenswürdig angesehen werden. Allen voran dient dabei VW als archetypisches Negativ-Beispiel. Der apokalyptische Betrugsfall bei Volkswagen hat dem bisherigen deutschen Vorzeigeunternehmen nicht nur schweren ökonomischen, sondern auch einen gewaltigen Image-Schaden zugefügt. Dies ist umso folgenreicher, da sichKonsumenten nicht nur aufgrund von Vertrauen beeinflussen lassen, sondern auch von der Einhaltung rechtlicher und ethischer Standards. Dies nimmt vor allem im Bereich des Konsums eine wachsende Rolle ein. Kritik an der Handhabung der überwachenden Institute und den Kodizes folgt beispielsweise seitens Mertens, welcher anführt, dass PR nur schwer die Doppelrolle für die Öffentlichkeit und Unternehmen einnehmen kann, insofern sind Interessenkonflikte unvermeidbar.

Bekanntheit von Kodizes muss gesteigert werden

Dass der vom IPRA beschlossene Code d’Athènes nur bei wenigen bekannt ist, hat viele Gründe. Defizite sind darin zu begründen, dass noch viele berufliche Quereinsteiger in die PR-Branche eintreten, welchen die akademischen Grundlagen, wie bei Medizinern (siehe hippokratischer Eid) nicht vermittelt wurden. Es gilt, bei den einzelnen PR-Agenturen, wie auch dem Deutschen Rat für Public Relations und den Verbänden für eine stärkere Vermittlung zu sorgen. Compliance und Transparenzanforderungen zwingen heute zu höherer Vorsicht. Es ist zur wichtigen Aufgabe geworden, das „ethische Bewusstsein“ sowie den Kenntnisgrad verschiedener Ethikkodizes in Agenturen und internen Kommunikationsabteilungen zu fördern und eine Kultur der Offenheit und des Diskurses zu etablieren. Ob Pressesprecher lügen dürfen und Koppelgeschäfte mit Medien eingegangen werden dürfen, sind nur einige der wenigen Themen, auf die tangiert werden sollten.

 

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